Amish – ein Besuch in der Vergangenheit

Ein Besuch bei den Amish ist wie eine Reise in die Vergangenheit des 19. Jahrhunderts. Wir haben an diesem Tag so viel über das Leben der Amish gelernt und wurden im gleichen Zug zum Nachdenken über das eigenen Leben angeregt, könnte es doch unterschiedlicher nicht sein. So verzichten die amischen Gemeinschaften auf die Anbindung an Elektrizität,  vermeiden moderne Technologien, kleiden sich so schlicht wie möglich und benutzen ausschließlich Kutschen als Verkehrsmittel. Um letzteres zu erleben, muss man nur ein wenig durch die Straßen des „Pennsylvania Dutch Country“ um Lancester fahren. An nur einem Tag haben wir sicher um die hundert Kutschen gesehen, die am normalen Verkehr teilnehmen. Für die Amerikaner aus dieser Gegend ist der Anblick nichts besonderes mehr, lebt doch ein Großteil der insgesamt über 200.000 in den USA verteilten Amish im Dutch Country. Für uns war es der Beweis, dass das, was wir im Museum erzählt und gezeigt bekommen, tatsächlich Realität ist; irgendwie unglaublich, aber umso eindrucksvoller, dass Menschen so zurück genommen leben können.

Angefangen haben wir unsere Zeitreise im Amish Village, einer Farm, die in den sechziger Jahren von einer Amish Familie abgekauft wurde, um deren Leben so authentisch wie möglich an Touristen wie uns weiter zu geben. Obwohl es zuerst etwas zu touristisch auf mich wirkte, war ich nachher umso begeisterter von den Geschichten, die uns ein Mann nicht-amischen Ursprungs erzählte während er uns gleichzeitig durch das traditionell eingerichtete  Haus führte und jede Frage geduldig beantwortete. Zum Village gehören außerdem noch ein großer Garten und ein kleines Schulgebäude, in dem die Kinder neben Englisch auch Hochdeutsch sowie Schweizer Deutsch lernen. Obwohl es sich ein wenig von unserem Deutsch unterscheidet, kann man sich die Wörter doch leicht herleiten und es mit einer Art Deutschen Dialekts vergleichen. Die Amish haben ihre Herkunft jedenfalls nicht vergessen. Auch wenn die Gegend als „Dutch“ bezeichnet wird, liegen ihre Wurzeln in Deutschland, dessen Vergangenheit ihr Leben bis heute prägt.

Da Tiere zu einem entscheidenden Teil des Lebens der Amish beitragen, durften auch diese im Village nicht fehlen. Neben Pferden trifft man auf Ziegen, Schweine und Esel. Als Andenken konnte man jede Art von handgefertigten Amish Produkten wie zum Beispiel Marmeladen, Seifen, Kerzen oder Selbstgenähtem kaufen.

Die ebenfalls im Lancester County gelegene Plain and Fancy Farm wurde uns für ihr gutes, authentisches und natürlich Amish angelehntes Essen ans Herz gelegt. Diese Empfehlung kann ich an dieser Stelle nur weitergeben. Wir wurden in einen Raum mit langen Tafeln geführt und an einen dieser langen Tische platziert, obwohl wir nur zu dritt waren. Nur wenig später gesellte sich ein brasilianisches Pärchen zu uns, die Servicekraft stellte uns gegenseitig vor und erklärte, dass wir nun für die nächste Stunde eine Familie sein. Das Essen gestaltete sich so, dass uns  unzählige Schüsseln mit den leckersten Köstlichkeiten auf den Tisch gestellt wurden, aus denen sich jeder bedienen durfte. Wir haben uns gemütlich von Vorspeise bis Dessert durch gefuttert und uns dabei bestens unterhalten. Das Essen war mehr als reichlich und schlichtweg super lecker, erinnerte es doch etwas an deutsche Hausmannskost, die man so langsam anfängt zu vermissen. Aber vor allem war es ein tolles Erlebnis mit fremden Menschen eine Mahlzeit zu teilen, wie man es normalerweise nur mit seiner eigenen Familie macht.

Nach all den aufregenden Städtetrips zuvor war dieser Ausflug nicht nur eine willkommene Abwechslung, sondern vor allem war es eine tolle Erfahrung.  Ich habe viel gelernt und mindestens genauso viel mitgenommen.

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